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MGC-Lamparth seit 1994

Cafe-Racer und Le Mans

Samstag früh kam ein Italiener, von dem ich über die Jahre schon ein paar Guzzis gekauft hatte, zu uns ins Geschäft. Er bot mir eine Le Mans 1 mit diversen Mängeln an. Sonntagnachmittag bin ich dann mit dem Transporter losgefahren, um die Guzzi anzuschauen. Bei näherer Besichtigung stellte sich das vermeintliche Schnäppchen als der totale Schrott heraus. Motor läuft nicht, Batterie fehlt, Instrumente fehlen, Bremsen fest, Lack hinüber, Gabel krumm, usw. Die Liste ist lang….eigentlich…. hm…. nicht rentabel. Aber es ist eine Le Mans 1. Ich werde schwach, wider besseren Wissens verhandele ich noch über den Preis, dann kann ich sie einladen. Als abschreckendes Beispiel stand Sie dann in der Ausstellung. Im Spätherbst dann die Entscheidung: Lehrling Andy darf die Le Mans komplett zerlegen. Eine erste Bestands- aufnahme beruhigt mich dann doch. Kurbelwelle ist ok, Getriebe und Kardan haben normalen Verschleiß, Rahmen ist in Ordnung. Dann ging es los: Rahmen, Schwinge, Rahmenbleche, Träger, Gabelbrücken, Felgen zum Strahlen, danach zusammen mit Tank, Seitendeckel, Schutzbleche, Verkleidung, Sitzbankunterteil zum Lackierer. Alle Chromteile zum Entchromen, Polieren und wieder verchromen. Motor-, Getriebe-, Kardangehäuse haben wir selbst glasperlengestrahlt. An einem ruhigen Wintertag dann die Ventilsitze und Führungen aus den Köpfen ausgebaut und die Brennraum- kalotte, für 47/40 mm Ventile, auf der Drehbank vergrößert. Neue Ventilführungen eingeschrumpft und größere Ventilsitzringe eingebaut, danach die Ansaugkanäle auf 40 mm vergrößert. Die Ventilsitze werden auf der Serdimaschine mit 7 Winkeln möglichst strömungsgünstig bearbeitet. Zum Abschluss der Kopfbearbeitung haben wir noch eine Doppelzündung eingebaut. Die Kurbelwelle war in der Zwischenzeit zum Feinwuchten bei Hoeckle. Gebrauchte 992 cc Zylinder, eine scharfe Nocke, sowie diverse Kleinteile waren auch noch im Teilelager, sodass einem Zusammenbau mit neuen Lagern, Dichtringen, Alustirnrädern,Einscheibenkupplung usw. nichts mehr im Wege stand. Das Getriebe wurde neu gelagert, abgedichtet und defekte Zahnräder, Schaltmuffen, Gabeln erneuert. Der Kardan wurde mit neuen Lagern und einer Tragbildkontrolle relativ günstig Instand gesetzt. Zwischenzeitlich war der Lackierer mit Rahmen, Schwinge und Fahrwerksteilen fertig, so dass der Motor mit Getriebe eingebaut werden konnte. Die Gabel wurde mit neuen Standrohren, progressiven Federn und Bitubodämpfern montiert. Hinten kamen überholte zeitgenössische Marzzochi Strada zum Einbau. Schnell noch BT 45 auf die silber- lackierten Felgen gezogen, Räder eingebaut: Sieht schon wieder nach Motorrad aus. Jetzt kam die Bremse an die Reihe: Alle Zylinder und Sättel zerlegt, gereinigt, mit neuen Kolben und Dichtungen sowie schwarzen Stahlflexleitungen eingebaut. Nun der größte Brocken, die Elektrik. Der Originalkabelbaum war deutlich sichtbar korrodiert, eine Neuanfertigung unumgänglich, zumal die im Zubehör angebotenen nicht meinen Vorstellungen entsprachen. Der Vorteil einer Eigenfertigung liegt darin, dass nur die Kabel und Stecker, die wirklich benötigt werden, auch in entsprechendem Durchmesser gelegt werden und sämtliche Schalter, Spulen, Sicherungen, Instrumente, Zündung usw. ohne überflüssige Stecker angeschlossen werden. Nun noch der Rest eingebaut, eingepasst, zusammengebaut, Öle eingefüllt und den ersten Testlauf mit Vergaser– und Zündeinstellung durchgeführt. Nachdem alles dicht ist, folgt die erste Probefahrt. An den darauf folgenden Sonntagen die endgültige Feinabstimmung der Vergaser. Mittwoch Abnahme: Vollgutachten mit Geräuschmessung und Eintrag des Motors. Im Juli dann eine Fahrt nach Mandello, bei der ich doch einigen Maschinen jüngeren Datums zeigen konnte, zu was eine Le Mans 1 im Stande ist. Die Guzzi ist im Schwabenalter, mit 40 Jahren, noch immer eine tolle Fahrmaschine, die aus ihren Lafranconis und Dellortos atmet und lebt. Arbeitszeit waren ca. 120 Stunden, Teile für ca. 10.000,- Euro plus Anschaffungskosten Fahrzeug.
Le Mans 1 Neuaufbau aus Scheunenfund
Liebe Guzzifreunde, unten seht Ihr ein paar Bilder meiner Samstagsarbeit im Lockdown 2021. Aufbau einer Le Mans 2 mit freiem Rahmendreieck für unsere Ausstellung und natürlich zum Fahren. 1064 ccm, 102Nm und 90 PS/ 66 kw Leistung in Verbindung mit einer Drehmoment-Nockenwelle. Zylinder mit 92 mm Bohrung, Kurbelwelle mit 80mm Hub. Zylinderköpfe auf 47/40mm Ventile umgebaut mit großer Kalotte (Brennraumanpassung) und Doppelzündung. Für das Auffräsen der Ein- und Auslass-Kanäle, braucht man etwa einen Tag. Angesaugt wird durch 40er Dellortos mit offenen Trichtern. (Vorsicht: kleinere Tiere an die Leine, die werden sonst reingesaugt). Auspuffanlage mit Originalkrümmer und Mistralendtöpfe mit ABE und modifizierten DB-Eatern . Die Le Mans hat mit offenen Rohren 88 PS und 100Nm, mit modifizierten DB Eatern 90 PS und 102 Nm. Die Teile sind aus unserem Fundus, ergänzt durch Zukauf aus Kleinanzeigen. Der Rahmen wurde vor dem Beschichten (Epoxid und Kunststoff) bei der Fa. Köster vermessen. Lackieren, Kunststoffbeschichten und Polierarbeiten geben wir außer Haus. Alle anderen Arbeiten werden bei uns in der Werkstatt erledigt !!!
Kardan aus Einzelteilen Instand gesetzt: Einmessen und Ausdistanzieren von Kegel-/ Tellerrad mit anschließender Tragbildkontrolle. Selbstverständlich wurden alle Lager und Dichtungen erneuert. Das Gehäuse wurde glasgestrahlt. Kegel- und Tellerrad ( 7/33 ) lassen wir bei uns in der Nähe in bester deutscher Qualität von einer Zahnradfabrik herstellen.
Getriebe aus Einzelteilen zusammengebaut, Instand gesetzt: Alle Lager, Dichtungen erneuert. Wellen zerlegt, schadhafte Teile wie Schaltgabeln, Zahnräder, Schaltmuffen erneuert, alle Laufflächen von Dichtringen poliert, Wellen neu eingemessen. Gehäuse glasgestrahlt, defekte Gewinde mit Helicoil repariert.
Brennraumkalotte auf V11 Maß für 47 / 40 mm Ventile vergrößert. Kanäle auf 40 mm erweitert.
Ventilführungen erneuert, Bohrungen für größere Sitzringe hergestellt und Bleifreiringe eingebaut. Ventilsitze für beste Einströmung optimiert.
Aus Neu- und Altteilen: Motorteile gereinigt und vermessen, vorbereitet für den Zusammenbau.
Der fertige, glasgestrahlte Motor auf der Werkbank. Zu jedem instand gesetzten Motor liefern wir ein Vermessungsprotokoll mit.
Hochzeit: Der Rahmen wird auf Motor und Getriebe aufgesetzt.
40er Dellorto mit Malossi Ansaugtrichter.
Mit einem von uns gebauten Werkzeug haben wir die Schwinge eingepresst und für den Einbau eines 130/80-18 Hinterreifens vorbereitet. Speichenfelgen vorn mit 2,5x18 und hinten mit 3,00x18 Zoll ergeben ein klassisches Erscheinungsbild und sind zudem leichter als die Gußräder.
Die Elektrik sehr übersichtlich auf einer VA Platte, damit das Rahmendreieck frei bleibt. Sachsezündung, Original-Sicherungsbox, Start-, Blinkrelais. Andrews-Doppelzündspulen sind unterhalb des Tanks untergebracht. Rechts zentraler Massepunkt.
Letzte Arbeiten am LM2-Cafe-Racer: Tank, Schutzblech vorn und hinten und LM 1 Verkleidung sind in Grünmetallic-Matt lackiert. TÜV-Abnahme ist durchgeführt, alles eingetragen incl. Geräuschmessung.
Der Neuaufbau hat Spaß gemacht und natürlich jede Menge Arbeitszeit ( 120 Stunden) gebraucht. Gewicht ohne Benzin mit Ölen 199 kg.
Cafe-Racer Nummer 1 von 1996: Basis Le Mans 4, Speichenfelgen 2,5/4,25x18“, 110/80-18V und 140/70-18V. Gewicht 210kg, 1140 cc, 85 PS, über 100 Nm. 40 mm Dellortovergaser offen, Mistral-Endtöpfe mit ABE.
Le Mans 1 vorher und nachher
Le Mans 3
Diverse Umbauten, teilweise oder komplett, je nach Kundenwunsch. Bei Interesse bitte rechtzeitig mit uns absprechen, Auftragsannahme bis spätestens Oktober.
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